Chemische Veränderungen der Zigaretten  
Abhängigkeitspotenzial von Zigaretten(DKFZ)  

Während der letzten Jahrzehnte hat die Zigarette mit einer Vielzahl von Produktveränderungen einen enormen Entwicklungsprozess durchlaufen, an dessen Ende heute ein komplexes Endprodukt zur Nikotinverabreichung steht. Die Tabakindustrie hat seit Jahrzehnten genaue Kenntnisse über die pharmakologische Wirkung von Nikotin, die besondere Natur der Tabakabhängigkeit und deren Steuerung durch Tabak-Anbaumethoden, Zusatzstoffe und Materialdesign. Bei den Zusatzstoffen handelt es sich zum Teil um Lebensmittelzusatzstoffe, die bei bestimmungsgemäßer Verwendung in Lebensmitteln und als orale Produkte als unbedenklich für die Gesundheit angesehen werden. Durch die hohen Temperaturen beim Zigarettenrauchen werden jedoch bei der Verbrennung der zugesetzten Stoffe neue Substanzen gebildet (Pyrolyseprodukte), deren gesundheitliche Risiken insbesondere im Zusammenwirken mit anderen Inhaltsstoffen des Tabaks fatal sind.

Die Säure-Basen-Chemie als Grundlage des Suchtpotenzials

Die Tabakindustrie suchte bereits seit den 60er Jahren nach Möglichkeiten, die Abhängigkeit erzeugende Wirkung von Zigaretten zu erhalten und zu erhöhen.
Betreffende Produkttechniken wurden zeitgleich mit der Markteinführung von so genannten „low tar and nicotine“ oder „light“ Zigaretten noch wichtiger, da hierdurch die mit den standardisierten Methoden der Federal Trade Commission (FTC) und International Organisation for Standardization (ISO) ermittelten Teer- und Nikotinwerte immer weiter minimiert werden sollten, um damit den gesundheitlichen Bedenken der Öffentlichkeit Rechnung zu tragen 70,133. Auch heute noch wird der auf Zigarettenpackungen aufgedruckte Nikotin- und Teergehalt einer Zigarette durch diese
standardisierten Methoden definiert, in den USA nach Maßgabe des Federal Trade Commission-Protokolls (FTC) und in Europa entsprechend nach den Vorgaben der International Organisation for Standardization (ISO). Dabei simuliert eine Maschine das Abrauchen einer Zigarette nach den durch die Testprotokolle vorgegebenen Werten für Zugstärke, Zugrate, Zugdauer und Länge der gerauchten Zigarette, und misst dabei den Nikotin- und Teergehalt im Hauptstromrauch 84. Bei der Suche nach einer weniger gesundheitsschädlichen Zigarette hat die Tabakindustrie zunächst lediglich die nach den genannten Methoden gemessene Nikotinmenge gesenkt (Abb. 5). Diese Strategie war zunächst fruchtbar. Aber den Herstellern war klar, dass eine stetige Nikotinreduktion ohne flankierende Maßnahmen längerfristig einer Vernichtung der Zigarettenindustrie gleichkommen musste, da den Zigaretten nach und nach das Abhängigkeitspotenzial verloren ginge. Ziel der Hersteller war es deshalb, das Abhängigkeitspotenzial von Zigaretten trotz des verminderten Gesamtnikotingehaltes
konstant zu halten oder sogar anzuheben. Wie die folgenden Zitate belegen,
24 Chemische Veränderungen an Zigaretten wurde eine Möglichkeit zur Erreichung
dieses Zieles gefunden: Das für die Abhängigkeit verantwortliche Nikotin kann, abhängig vom Säure-Basen-Haushalt (pH-Wert) der Zigarette, in verschiedenen
Formen im Tabakrauch vorliegen und in Abhängigkeit von dieser stofflichen Verfügbarkeit einen unterschiedlichen Einfluss auf die Stärke der resultierenden
Nikotinwirkung haben. Zum Verständnis der folgenden Ausführungen sei angemerkt, dass der pH-Wert ein Maß für den Säuregehalt oder die Basizität von wässrigen Lösungen ist. Er kann zwischen 0 und 14 liegen, wobei bei einem pH-Wert von 7 eine neutrale Lösung vorliegt. Unter diesem Wert ist die Lösung sauer, darüber basisch. In diesem
Kontext sind die im Folgenden durch die Tabakindustrie benutzten Begriffe wie
pH-Wert des Tabakrauches oder pH-Wert der Zigarette wissenschaftlich nicht korrekt.
Gemeint ist damit der pH-Wert einer Lösung, die sich aus der in purem Wasser (pH 7,0) gelösten, extrahierten, Tabaksubstanz ergibt.

NIKOTIN + MANIPULATION DES PHWERTES ZU BASISCHEN WERTEN

Die Durchsicht der Tabakindustriedokumente hat offenbart, dass der pH-Wert des Tabakrauches und damit das Abhängigkeitspotenzial von Zigaretten mit einer Vielzahl von Substanzen manipuliert werden kann. Ammonium-Komponenten sind die am häufigsten verwendeten Substanzen, die hierzu eingesetzt werden. Neben Ammoniak selbst werden folgende Derivate im Herstellungsprozess von Zigaretten verwendet: Ammoniumhydroxid, Ammoniumbicarbonat sowie Diammoniumphosphat und Harnstoff, welche bei der Pyrolyse Ammoniak freisetzen können. Die Tabakindustrie sieht keinen Verstoß beim Einsatz von Ammoniak, mit der Begründung, dass Rohtabak bereits natürlicherweise Ammoniak enthalte. Dieses Argument verschleiert jedoch die Strategien der Industrie, durch die zusätzliche technische Beigabe von Ammoniak die chemischen Abläufe zu verstärken Durch die Behandlung des Tabaks mit Ammoniumverbindungen drängt die stärkere Ammonium-Base die schwächere Nikotinbase aus ihrer Salzform, so dass freies Nikotin entsteht. Ammoniak erhöht damit die Effizienz der Nikotinzufuhr und die Bioverfügbarkeit von Nikotin im Atemtrakt. Durch Hinzufügen von Ammoniak und anderen ähnlich wirkenden Zusatzstoffen wird ein bereits gefährliches Produkt gefährlicher gemacht.

Auszüge aus der roten Reihe des DKFZ, Heidelberg Tabakprävention und Tabakkontrolle
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